Herzlos

Herzlos
von Franz Zeller

Pendragon
ISBN 978-3865321497
Preis 9,90 €

Herzensangelegenheiten

Rosa Schwab stirbt in der Salzburger Herzklinik unter mysteriösen Umständen. Aber niemanden scheint’s zu kümmern. Wenig später liegt ein junger Arzt im Keller des Spitals tot in seinem Blut. Ein Obdachloser soll’s ge¬wesen sein. Doch der haucht selber bald sein Leben aus. Der Leiche, die alles aufklären soll, fehlt das Wichtigste: das Herz. Chefinspektor Franco Moll hat seines noch, aber es ist liebeswund. Was steckt hinter den Morden? Und wer ist aller sein Herz los?
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Franz Zeller,
1966 in Kirchdorf/ Krems geboren. Studiert ab 1984 in Salzburg, danach 2 Semester in Oxford und arbeitet ab 1988 als freier Mitarbeiter im Landesstudio Salzburg. Er beliefert v. a. Ö1, 3sat oder ORF 2 mit Literatur- und Wissenschaftssendungen, schreibt Hörspiele und Kurzprosa. 2002 verlässt er Salzburg und zieht nach Wien, um bei der Aktuellen Wissenschaft der Zeit-im-Bild zu arbeiten. Seit 2004 ist er bei Ö1 angestellt. Dort verantwortet und moderiert er u. a. die Reihe „Digital.Leben“. Sein Krimi-Chefinspektor Franco Moll lebt und arbeitet in der Stadt Salzburg.

http://www.franzzeller.at
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Drei Fragen an Franz Zeller

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Bevor ich es gemerkt hab. Mit einer Reihe kriminalistischer Funkerzählungen in den 90er Jahren. Ja, und einmal stahl ich meiner Mutter, als ich sechs Jahre alt war, einen Schilling für ein Eis.
Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Ich bin leider (noch immer) zu brav. Mehr als ein Dutzend sind es nicht.
Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Angeboren oder angelernt? Das ist halt immer die Frage. Aber ich übernehme natürlich die volle Verantwortung für mein Handeln, obwohl ich ein Opfer der Umstände bin.
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Pressestimmen

Umtriebe im Keller
Franz Zeller, Wissenschaftsredakteur von Ö1, ist unter die Autoren gegangen. Mit seinem Krimidebut Herzlos begibt er sich in seine Heimatstadt Salzburg und zeigt uns ein ehrwürdiges Ambiente abseits von Promihysterie und Festspielgetue, was eine wahre Wohltat ist. Er ist ganz unspektakulär, der Tod einer alten Frau in der Universitätsklinik. “Altersbedingtes Multiorganversagen” nennt man das, vier Tage später wird Rosa Schwarz begraben, allerdings ohne ihr Herz. Seltsamer ist schon, dass in der Prosektur der Klinik, wo auch die Leiche von Frau Schwarz Zwischenstation gemacht hat, ein ehrgeiziger Arzt erschlagen aufgefunden wird. Bloß kein Aufsehen, ist die Parole von Franco Molls Vorgesetztem, dem Brigadier Gokl, der lieber Tennis spielt als Dienst schiebt. Man will doch nicht die bessere Gesellschaft beunruhigen, das könnte die Karriere beeinträchtigen. Außerdem bietet sich ein Mörder geradezu an: Es ist der Haubenkarli, ein Sandler. Dieser ist unter Zurücklassung seines Schlafkartons verschwunden, ein Indiz für seine Täterschaft, also ist der Fall so gut wie gelöst. Franco glaubt das nicht und fängt an, die indignierten Götter in Weiß zu befragen. Damit sticht er in ein Wespennest. Zellers Krimi präsentiert sich für einen Erstling fast schon zu routiniert. Die Protagonisten könnten mehr Ecken und Kanten vertragen, auch wenn in der Figur des Ermittlers, eines Alleinerziehers mit permanent schlechtem Gewissen, Ansätze dazu vorhanden sind. Auf jeden Fall ein guter Start.
Ingeborg Sperl am 22.08.2009 im STANDARD-Album

“Ein recht gelungenes Stück Unterhaltung”
Der ehrgeizige, junge und auch sonst wenig sympathische Arzt Benno Waldegg wird in der Pathologie des Spitals, in dem er arbeitete, mit zahlreichen Messerstichen ermordet aufgefunden. Der alleinerziehende Vater Chefinspektor Franco Moll und sein trachtenliebender Kollege Oberhollenzer sollen den Mord aufklären. Alles deutet auf den stadtbekannten Obdachlosen „Hauben-Karli“ hin. Der taucht jedoch als nächstes Mordopfer auf.
So müssen die beiden Ermittler sich im beruflichen Umfeld des Opfers umsehen und die Ärzte und Krankenschwestern unter die Lupe nehmen. Und auch die Tatsache, dass der junge Arzt gleich zwei Geliebte neben seiner Ehrfrau hatte, gibt reichlich Grund für genauere Nachforschungen. Die junge Witwe hinterlässt dabei einigen Eindruck bei Franco Moll.
Franz Zellers Erstlingswerk „Herzlos“ ist ein ausgesprochen geradliniger, konventioneller und schnörkelloser Roman. Fast erinnert er da ein wenig an Maigret. Allerdings ist er dadurch auch schon fast etwas vorhersehbar. Zeller legt keine falschen Spuren, um die Leser in die Irre zu führen, bei ihm ahnt man recht bald, wohin die Geschichte sich entwickeln wird. Gewürzt mit einer kräftigen Prise Lokalkolorit, ergibt das ein recht gelungenes Stück Unterhaltung.
Alfred Ohswald, am 12.8.2009 in buchkritik.at

“Eine Geschichte, die ans Herz geht”
Übel, wenn ein junger Arzt, der hoch hinaus will, ausgerechnet im Keller einer Salzburger Klinik unter zahlreichen Messerstichen stirbt. Noch übler, wenn ein ranghoher Polizeioffizier auf rasche Aufklärung drängt, und ein Obdachloser unter Verdacht gerät. Ganz übel, wenn auch der mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden wird.
Was wie ein turbulenter Regionalkrimi im Ärztemilieu klingt, ist in Wahrheit eine höchst vertrackte Geschichte, in der schließlich eine Leiche eine zentrale Rolle spielt, die nur einen Schönheitsfehler hat: Sie hat kein Herz (mehr)…
Allzuviel darf ich jetzt aber nicht vorwegnehmen, schließlich und endlich sollen Sie diesen Krimi ja noch mit Genuss lesen können. Der Autor, Franz Zeller, Literatur - und Wissenschaftsjournalist beim ORF, hat eine ganze Menge wissenswerter Informationen über Praktiken im modernen Medizin- und Pharmasektor in seinen Krimierstling verpackt. Sein ermittelnder Protagonist Franco Moll weist alle Merkmale auf, die einen sympathischen, wenngleich nicht unproblematischen, Serienhelden auszeichnen
Kurt Lhotzky, Lhotzkys Literaturbuffet

„Wenn Franz Zeller seine Figuren konstant weiter entwickelt, könnten sie Kultstatus erreichen; ähnlich dem Lemming von Stefan Slupetzky oder dem Brenner von Wolf Haas.“
Wenn ein Oberösterreicher, den es nach Wien verschlagen hat, in einem Bielefelder Verlag einen Salzburg-Krimi veröffentlicht, dann kann man dem Pendragon-Verlag für sein Vertrauen in den Newcomer Franz Zeller nur gratulieren und darf sich auch ein wenig wundern; denn die 250 Seiten Herzlos sind so ganz und gar nicht von nordrhein-westfälischem Charakter, dafür bieten sie deutlich ursprünglichen österreichischen Verbalschmäh aus der Festspielstadt.
Die Handlung ist nicht gerade weltbewegend spannend inszeniert. Franco Moll, alleinerziehender Vater des kleinen Felix, und sein dauerhungriger und –durstiger Kollege Oberhollenzer, fälschlich auch hier immer wieder als Kommissare oder Inspektor bezeichnet, haben eine Leiche im Keller, und die war in ihrem früheren Leben Arzt. Und zwar an einer renommierten Herzklinik, in der auch geforscht wird. Aber wie? Offensichtlich nicht ganz legal, denn der alten Dame, die man exhumieren lässt, fehlt das Herz, an dem man nachweisen könnte, was wirklich passiert ist. Leider ist der Obdachlose, der vielleicht Aufschlüsse geben könnte, inzwischen auch (mund)tot.
Zwischen den Mordermittlungen möchte Moll seinen Hormonhaushalt mit einer Verdächtigen auffrischen, und sein Sohn bräuchte dringend ein Kaninchen. Ein Freund von Franco wurde von seiner Frau verlassen, also zieht er kurzerhand bei diesem ein und vervollständigt das Chaos. Bei diesen Zuständen ist es nicht leicht, sich auch noch auf Ermittlungen zu konzentrieren …
Franz Zeller schreibt zwar nicht Mundart und auch nicht so konfus, wie ein Wolf Haas, aber dennoch könnte gelegentlich der etwas derbe Humor, für Leser aus anderen Regionen, ein wenig zu viel des Guten sein. Hierzulande unterhält man sich bei solchem Ambiente, das einem Fernseh-Kottan kaum nachsteht. Denn wenn schon die Handlung nicht übermäßig originell ist, und auch Spannung nur sehr spärlich aufblitzt, dann muss der Roman von den Figuren leben. Und das tut er!
Wobei Franco Moll eher ein Durchschnittstyp ist, aber die Personen um ihn herum, sind herrlich karikiert. Oberhollenzer; Weinmeister, der Wirt der Kantine ums Eck; die Frau des Oberarztes und die Krankenschwester … lauter Personen, die man so oder ähnlich schon mal getroffen hat, und ein Original ist witziger als das Vorhergehende. Da kann man dem Autor schon verzeihen, dass er in seinem Schnürlregen-Krimi nicht das Vorzeige-Salzburg beschreibt, obwohl er gelegentlich zum Fremdenführer durch die Touristenzonen von Untersberg bis zum Domplatz wird.
Herzlos ist ein gelungener Kleinkrimi von regionalem Charakter, der vor allem von seinen Dialogen lebt. Was sich die Damen und Herren zu sagen haben, unterhält durch den Wortwitz, den Rest der Handlung kann man dabei getrost vergessen. Wenn Franz Zeller seine Figuren konstant weiter entwickelt, könnten sie Kultstatus erreichen; ähnlich dem Lemming von Stefan Slupetzky oder dem Brenner von Wolf Haas. Wobei angemerkt werden muss, dass Moll und Oberhollenzer keine depressiven Alkoholiker sind, was allein schon sehr positiv beim Lesen auffällt.
Wolfgang Weninger auf www.krimicouch.de
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Leseprobe

Rosa Schwab starb im Halbschlaf. Sie hatte von der Nachtschwester eine Schlaftablette bekommen, weil sie es nicht mehr gewohnt war, nachts mit anderen ein Zimmer zu teilen. Die Zeit wurde träge wie ein erschöpftes Tier. Die Arznei begann zu wirken.
Langsam verband sich währenddessen die andere Droge, die aus einer Infusionsflasche in ihre Venen tropfte, mit ihrem gewohnten Herzmedikament. Ebenso langsam lähmte das neu entstandene Gebräu die Herzmuskelzellen.
Rosas Augenlider schlossen sich halb, als wäre ein schwerer Traum dabei, sich anzukündigen. Die Farben des Wüstenbildes an der Wand blichen allmählich aus. Sie hatte keine Kraft mehr, die Hand zur Klingel zu heben. Leichtigkeit und Schwere hielten sich die Waage. Nur ihre Ohren schienen noch immer zu funktionieren.
Die Patientin neben Rosa Schwab lag noch wach. Eines ihrer Herzkranzgefäße war verstopft. Es sollte am nächsten Tag aufgedehnt werden. Sie hörte Rosa leicht und lange ausatmen.
Leise gluckerte die Infusionslösung vor sich hin.
Auf Rosas Nachtkästchen stand das kleine Schwarz-Weiß-Bild eines Mannes in k&k-Uniform. Sie hatte den Soldaten im goldenen Rahmen nie kennen gelernt. Rosas unbekannter Vater fiel in den letzten Oktobertagen 1918 an der Piave. Ein paar Tage später sollte sie geboren werden, unter dem Sternbild der sich auflösenden Donaumonarchie. Und so wie sich schon am Beginn ihres Lebens eine junge Familie aufgelöst hatte und ein altes Reich, so sollte kaum etwas in ihrem Leben Bestand haben. Eine Ausbildung zur Pianistin hatte Rosa nach dem Bürgerkrieg von 1934 abbrechen müssen, weil sie aufgrund ihres ausgesprochenen Gerechtigkeitssinns dem katholischen Ständestaat verdächtig war. Die große Jugendliebe Max überlebte die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs nicht. Knapp zehn Jahre später verletzte sich Rosa bei einem Sturz auf dem Eis die Hand so schwer, dass sie kaum mehr Klavier spielen konnte und der Deckel ihres Pianinos meist geschlossen blieb.
Eine Schwester betrat das Zimmer. Sie ging zum Fenster, schloss den Lichtspalt im Vorhang und wünschte energisch eine „Gute Nacht“. Die Tür schloss sich dumpf und fest. Rasch entfernten sich ihre Schritte am Gang. Sie klangen wie Würfel, die beim Spielen über einen Holztisch klapperten, bei jedem Aufhüpfen donnerten, sich dann in einem nervösen Vibrato leise und blechern scheppernd einpendelten und schließlich nach einem großen letzten Aufzittern zur Ruhe kamen.
Die Nerven im Ohr gaben ihre Tätigkeit auf, sie kappten das Tau zur Außenwelt. Es wurde still in Rosa. Ihre Welt hörte zu atmen auf.

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