Kurzkrimi


Für den Friedrich-Glauser-Preis 2010
in der Kategorie „Kurzkrimi“ wurden nominiert:
          

Zoë Beck - “Draußen”
aus: München blutrot - Köln.-Preuß. Lektoratsanstalt

„Kein Mensch muss heutzutage noch das Haus verlassen!” Zu dieser Erkenntnis kommt Gil Peters, die seit acht Jahren an Agoraphobie leidet, nach zahllosen Therapiestunden. In einer Flut von Mails ringt sie mit ihrer Umwelt darum, ob diese Auffassung akzeptiert wird. Dabei offenbart sich dem Leser Mail für Mail ein Leben, das sich zwar innerhalb ihrer vier Wände abspielt, aber durch das Internet mit der Welt da “draußen” verbunden ist. Doch dann geschieht etwas, das gleichzeitig unerwartet und profan erscheint: Die Fassade wird renoviert, ein Gerüst umzingelt Gils kleine Welt. Die Welt da “draußen” lässt sich nicht länger aussperren - und die “drinnen” gerät aus den Fugen … Zoë Becks raffinierte Geschichte entwickelt einen Sog, dem sich der Leser nicht entziehen kann.

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Angela Eßer - “6 Uhr 23 - Guten Morgen, München”
aus: München blutrot, Köln.-Preuß. Lektoratsanstalt

Er wollte Werke schaffen, die andere Menschen in Staunen versetzen. In München, seiner Traumstadt. Nun hat er alles erreicht. Eine schöne Frau, drei Kinder, ein Haus mit einem Garten. Sein Lebens-Garten. Alles ist perfekt. Er spielt in der höchsten Liga mit. Doch dann der Crash an der Börse. Er stürzt ins Bodenlose. Ein japanisches Küchenmesser soll alles wieder ins Reine bringen. Es ist sein letztes Werk. Nur der Kater bleibt verschont. Angela Eßer nimmt uns in ihrer Geschichte liebevoll bei der Hand und führt uns Schritt für Schritt in eine Katastrophe, aus der es kein Entrinnen gibt.

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Herbert Friedmann - “Drei Wünsche”
aus: Schneeflöckchen, Mordsglöckchen - edition karo

„Das Haus in Pankow, die Schulden, Scheidung, Zwangsversteigerung, Schulden. Eine Bilderbuchgeschichte, nicht sehr originell.“ So steht es auf der ersten Seite von Herbert Friedmanns Geschichte. Was wir dann miterleben, ist das Ende: Ein verzweifelter Weihnachtsmann, der seiner kleinen Tochter drei Wünsche erfüllen möchte, eine Bank überfällt, und natürlich geht alles, alles schief. Ein Drama, auf gerade mal fünf Seiten atemlos erzählt. Gedankenfetzen, Splitter von Bildern und Geräuschen. Und man wünscht sich so sehr, dass dieser Weihnachtsmann einmal im Leben Glück haben möge und weiß doch von der ersten Sekunde an, dass auch dieser Wunsch unerfüllt bleiben wird.

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Nina George - “Das Licht von Dahme”
aus: Endstation Ostsee - KBV

Starke Gefühle sind es, die Nina George in „Das Licht von Dahme“ wachruft: Wehmut und verratene Hoffnungen, Hass und gekränkten Stolz. In knapper und gleichzeitig episch anmutender Form verknüpft die Autorin zwei schicksalhafte Geschichten miteinander: die einer gescheiterten Flucht aus der DDR und die einer Familientragödie. Ihr Stil ist sanft und doch auch rau, am Ende sogar lyrisch. Ein Kurzkrimi, der unter die Haut geht und lange Zeit in Erinnerung bleibt.

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Stefan Valentin Müller - “März am Teilungswehr”
aus: 13 Morde hat das Jahr - Heyne

Zurückgezogen lebt ein alter Mann in seinem Schrebergarten; ein wortkarger Einsiedler, eins mit der Natur, mittellos aber zufrieden. Doch diese Idylle trügt. Stefan Valentin Müller zeichnet behutsam eine zerrissene Persönlichkeit, einen Wendeverlierer, der sich aufgrund seiner Vergangenheit in einem Grenzregiment der NVA zunehmend von einem imaginären Feind bedroht fühlt. Oder ist seine Todesangst begründet? „März am Teilungswehr“ ist ein feinfühlig erzählter, aufrüttelnder Kurzkrimi über ein Stück deutscher Geschichte, der verdeutlicht, dass zwanzig Jahre nach dem Mauerfall noch immer ein Täter-Opfer-Konflikt existiert.

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Für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte „Kurzkrimi“ 2010 konnten Krimi-Kurzgeschichten eingereicht werden, die im Jahr 2009 in gedruckter Form (elektronische Veröffentlichungen wurden nicht berücksichtigt) erschienen sind. Die Kurzkrimis duften nicht länger als 20 Normseiten (30 Zeilen á 60 Anschläge) sein. Die Autoren mussten die Kurzkrimis selbst beim Jury-Sekretariat einsenden; Anthologie-Einsendungen von Verlagen konnten nicht berücksichtigt werden.
Es wurden 203 Kurzgeschichten bei der Jury eingereicht.
Alle eingereichten Geschichten finden Sie hier >>

Der Preis in der Kategorie „Kurzkrimi“ ist mit 1.000€ dotiert.

Der/die Preisträger/in wird auf dem “Tango Criminale”, der großen Abschlussgala bei der
CRIMINALE in der Nordeifel am Samstag, den 11. September 2010 verkündet und geehrt.

Jury-Organisation
Hildegunde Artmeier
E-Mail