Mumien morden mittwochs nie
Eine ziemlich verfluchte Krimödie
Tatjana Kruse
Haymon Verlag
Broschur
Escape Game im Museum?
Man könnte fast denken, man wäre mitten in einem – allerdings ohne der üblichen sechzigminütigen Zeitbegrenzung –, als während der Pressekonferenz zu einer aufsehenerregenden Ausstellungseröffnung mit Artefakten aus dem Alten Ägypten ein Museumsmitarbeiter nach dem anderen spektakulär zu Tode kommt. Es stellt sich die Frage: Gibt es eine logische Erklärung für die Ereignisse, oder ist etwas weitaus Unheimlicheres im Gange? Geht etwa eine Mumie im Blutrausch um? Kann man seinen eigenen Sinnen eigentlich noch trauen?
Morden Mumien besser?
So hat sich die junge Dr. Apollonia Obermoser (für ihre Freunde: Polly) das jedenfalls nicht vorgestellt, als sie endlich ihren Fund von Artefakten aus der siebten Dynastie rund um den Pharao Teti III präsentieren kann. Am nervigsten findet sie allerdings, dass die Tochter der millionenschweren Museumseignerin, Daphne Gamser, der festen Überzeugung ist, dass eine Mumie für die Morde verantwortlich ist. Polly, die das – zurecht – äußerst lächerlich findet, macht sich auf die Suche nach „echten“ Spuren. Viel anderes bleibt ihr auch nicht übrig, denn durch einen Hackerangriff befindet sich das Museum plötzlich im Lockdown-Modus und jeglicher Kontakt zur Außenwelt ist unterbunden – also muss Frau, mal wieder, selber ran. Und dass hier irgendetwas Böses – menschlich oder nicht – sein Unwesen treibt, zeigt sich mit jeder Minute deutlicher …
Dass ausgerechnet Daphne zu ihrer stärksten Verbündeten wird und doch nicht so oberflächlich ist, wie sie tut, hätte Polly niemals gedacht. Auch nicht, dass sie ihre Sinneswahrnehmung so im Stich lässt und eventuell doch eine Mumie mit Killeraxt durchs Museum wütet.
Kuratorin der Krimödien
Tatjana Kruse wirbelt den Staub des Alten Ägyptens auf! Dabei lässt sie kein Artefakt äh, keine*n der Museums-Angestellten an Ort und Stelle – eine hinreißende Mischung aus schaurig-rasanter Mörder*innenjagd und Kicher-Comedy! Das Leben ist zu kurz, um ernstgenommen zu werden, findet Kruse, daher fügt sie dem Cocktail aus Krimi und Komödie diesmal eine große Brise Horror hinzu und schüttelt alles tüchtig durch.
„Mumien morden mittwochs nie“ ist ein Museumsbesuch der Extraklasse, eine mörderisch spannende Führung durch die neue ägyptische Sammlung ist im Ticketpreis inbegriffen! Aber Achtung, Tatjana Kruse leitet dich auch zu phantasmagorischen Tatorten und trainiert ganz nebenbei deine Lachmuskeln.

© Foto: Haymon Verlag
Tatjana Kruse
Jahrgangsgewächs aus süddeutscher Hanglage, überzeugte Krimiautorin.
Bekannt wurde sie mit ihren Serien rund um die rubeneske Opernsängerin Pauline Miller (Haymon-Verlag), den stickenden Ex-Kommissar Siggi Seifferheld (Knaur/Haymon) und die Schnüffelschwestern Konny und Kriemhild (Insel Verlag). Sie schreibt aber auch "Stand Alones" wie die Thrillmödie Schwund (Insel Verlag) oder die paranormale Krimödie Es gibt ein Sterben nach dem Tod (Haymon Verlag).
Mehr Informationen unter www.tatjanakruse.de
Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Tatjana Kruse
Wo schreibst du am liebsten?
Im Kloster. Seit ich für meinen Krimi „Zwei Schwestern für ein Halleluja“ im Kloster recherchierte, kehre ich zum Schreiben am liebsten immer wieder in meine Zelle zurück. Wenn es kurz vor der Deadline keine freie Zelle gibt, tut es aber auch eine Schreibklausur am Meer oder in den Bergen. Hauptsache fernab aller Ablenkungen.
Welcher deiner „Morde“ ist dir der liebste?
Darf man Favoriten haben? Sollte man als Krimiautorin nicht all seine Morde lieben? Aber ich habe es zugegebenermaßen schon besonders genossen, in „Der Gärtner war’s nicht“ einen Musiker (der es total verdient hatte) mit dem Aufsitzrasenmäher plattzuwalzen. Ich liebe auch die Piranhas in „Tagebuch einer Wasserleiche aus dem Canale Grande“. Und die Leichen posthum tätowieren und frisieren zu lassen wie in meiner Thrillmödie „Schwund“ hat mir diebisches Vergnügen bereitet. Wie gut, dass ich diese Gelüste nur auf dem Papier auslebe!
Warum sind alle deine Krimis „heiter“?
Das Leben ist ernst genug, da dürfen meine Krimis ruhig gute Laune machen – kleine Wohlfühlinseln im tristen Alltagsmeer. Hin und wieder zu lächeln, stärkt die Resilienz ungemein. Eigentlich sollte es meine Krimödien auf Rezept geben!
Leseprobe
Hochgewachsen, die Muskeln des durchtrainierten Körpers perfekt definiert, von einer strahlenden Aura umgeben, schritt der Pharao die Sandsteinstufen Stufe für Stufe herab. Lautlos, geschmeidig wie ein Panther. Im Takt zu den leisen Klängen von Zimbeln und Leiern. Der Blick seiner samtigen Augen schien auf jeden einzelnen Anwesenden fokussiert. Wie bei der Mona Lisa, bei der man auch immer das Gefühl hatte, sie würde einen direkt anschauen.
Die nur spärlich bekleideten Dienerinnen zu beiden Seiten der breiten Treppe verneigten sich tief. Auf der untersten Stufe, zwischen zwei Wächtern mit Anubis-Masken, blieb der Pharao stehen. Er lächelte, und man sah in seinem fein ziselierten Gesicht kleine Grübchen auftauchen. Sollte es je den einen perfekten Mann gegeben haben, dann war es der hier, Pharao Teti der Dritte.
Mit royaler Geste winkte er die Anwesenden zu sich.
Seine vollen Lippen bewegten sich. Man meinte, ein Komm!“ zu hören. Und dann erschien auf seiner perfekt gestählten, glatt epilierten und eingeölten Brust die Aufschrift Die siebte Dynastie – zum ersten Mal enträtselt. Ausstellung im Museum Gamser von 1. Oktober bis 30. April.
Polly schloss kurz die Augen, atmete aus, öffnete sie wieder und rastete ihr vor dem Badezimmerspiegel in Endlosschleife eingeübtes Lächeln ein. Nur so konnte sie ihr Pokerface bewahren.
Sie hatte sich vehement gegen den Ausstellungstitel verwahrt. Von wegen enträtselt. Sie, Polly, hatte lediglich einige neue Fundstücke aufgetan. Ja, das kam in Fachkreisen einer Sensation gleich, da über die siebte Dynastie so gut wie nichts bekannt war. Manche hielten sie sogar für einen Mythos. Aber enträtselt war durch die neuen Fundstücke erst einmal gar nichts.
Außerdem war dieser – nach menschlichen Vorlagen, aber von künstlicher Intelligenz erstellte – Trailer in ihren Augen der pure Hohn. Die Dienerinnen sahen allesamt aus wie Pornodarstellerinnen mit Riesenbrüsten. Geschmacklos! Wenn die sich mit ihren Sechs-Kilo-Melonen nach vorn beugten, konnten sie sich gesichert nie wieder ohne Hilfestellung aufrichten. Und aus dem Ausstellungs-Trailer einen modern-virilen Hollywood-Schmachtfetzen zu machen, fand Polly nachgerade unehrenhaft. An Direktor Pucci waren allerdings all ihre Einwände abgeprallt – nein, abgesprungen wie Wassertropfen von einem heißen Pfannenboden. Nicht nur, was diesen Trailer anging, auch in Bezug auf die Darbietung der Fundstücke. Statt bodenständig-fundierter Präsentation („Zu dröge!“) gab es nun eine bunte Pop-Show („Das zieht die Mengen!“), und was Polly für einen echten Meilenstein ihrer noch jungen Laufbahn gehalten hatte, war jetzt einfach nur peinlich.
Pucci ließ Polly bei jeder Gelegenheit spüren, dass sie nur eine freie Kuratorin war. Was ihn nicht davon abgehalten hatte, ihr in buchstäblich letzter Sekunde, nämlich heute Morgen, knapp eine Stunde vor Beginn der Pressekonferenz, die Aufgabe aufs Auge zu drücken, besagte Pressekonferenz zu moderieren.
Polly – eigentlich Doktor Apollonia Obermoser – sah ihre Felle davonschwimmen. Nicht nur die sprichwörtlichen Felle. Auch ihre komplette Karriere als solche.
