Nixentod
Viernau, Thomas L.

XOXO-Verlag, ein Imprint der Eisermann-Media GmbH

Taschenbuch, paperback, 73 Seiten, 73 Abb.

EAN 3967520137
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14,90 € [D], SFr. 0,– [CH], 14,90 € [A]

Linthdorf ermittelt am, um und im Wasser

Eine Reihe grausamer Morde beschäftigt die Brandenburger Kripo um Kommissar Linthdorf. Vier brutal erschlagene Frauen, gefunden in vier Flüssen: Oder, Havel, Spree und Rhin. Alle nackt und ohne erkennbares Motiv umgebracht, man kann fast sagen, rituell geopfert. Die Lokalpresse spricht auch von Nixenmorden, da die Verbindung der umgebrachten Frauen zum Wasser die einzige Gemeinsamkeit zu sein scheint.

Eine seltsame Häufung von Zufällen, die keine sind, eigenartige Verwicklungen eines Staatssekretärs und eines schwäbischen Professors, Gier und andere Obsessionen und mittendrin in all der Herzlosigkeit eine vorsichtig sich anbahnende Liebe. All das vereint »Nixentod« in sich.

Viernau, Thomas L.

Viernau, Thomas L.

Unter dem Namen Thomas L. Viernau veröffentliche ich inzwischen seit 2012 Krimis. Ich lebe und schreibe in Brandenburg. Geboren 1963 im thüringischen Suhl, aufgewachsen im Thüringer Wald, dann nach Berlin gekommen, ein Wirtschaftsstudium absolviert, nebenbei stets gezeichnet und gemalt, schließlich auch begonnen zu schreiben… Anfangs journalistisch, später dann auch als Sach- und Reisebuchautor. Im Jahre 2003 erschien mit „Reisen zum Tee“ ein Reisebuch in die Länder des Tees. Meine persönlichen Erfahrungen als Teehändler wurden darin zu kleinen Reisebildern verarbeitet. Mein Lebensmittelpunkt lag damals noch in Berlin. In vielen Jobs habe ich gearbeitet, u.a. als Journalist, Maler/Graphiker, Kaufmann, mich dann selbständig gemacht, immer rastlos auf der Suche…Endlich in Brandenburg fündig geworden. Das Land wurde literarische und auch wirkliche Heimat für mich. Familiär bin ich glücklich geschieden, zudem Vater zweier Söhne und Großvater eines kleinen Enkelsohnes. Jetzt lebe ich mit meiner Lebenspartnerin in der Lausitzmetropole Cottbus, arbeite als Lehrer für Kunst an einem Gymnasium und schreibe weiter fleißig… nicht nur Krimis, auch Reisebilder (u.a. die vierbändige Reihe „Die Farben Brandenburgs“ und „Das verschwundene Berlin“), bewege mich auf historischen Pfaden im Fontaneschen Sinne (u.a. die sechsbändige Reihe „Zeichnungen zu Fontanes Wanderungen“), illustriere dazu noch Bücher und male Bilder. Für meinen Verlag lektoriere und korrigiere ich nebenbei Bücher aus vollkommen anderen Genres. Außerdem pflege ich ein paar ungewöhnliche Hobbys: Kraniche gucken, alte Industriebauten entdecken, Enten füttern, Briefmarken sammeln, Tee trinken, dialoglastige französische Filme ansehen, antiquarische Bücher lesen und sammeln, unnütze Dinge aufbewahren.... genug davon.

Ein aufregendes und erfülltes Leben ist das!

Aus dem Kapitel "Melusine":

Oderufer bei Kienitz, Sonntag, 1. Januar 2006

Was da im Eis trieb war nur schwer zu erkennen. Etwas Dunkles schien es zu sein, was da ab und an zwischen den Eisschollen hervorkam. Schwer zu sagen, ob es noch brauchbares Treibgut abgeben würde. Die Gestalt am Ufer der Oder stand etwas unschlüssig und blickte zweifelnd aufs Eis. Eisnebel ließ die andere Uferlinie nur erahnen. Unheimliche Geräusche kamen vom Fluss. Jedes Mal, wenn die brechenden Schollen aneinander krachten, erklang ein markerschütterndes Ächzen, als ob der Fluss unter der Last des Eises stöhne. Das dunkle Etwas inmitten der Eiswelt verschwand und tauchte an einer anderen Stelle wieder auf. Irritiert trabte der kleine Mann neben den Schollen her und versuchte dem Eisstrom zu folgen. Hier auf dem Oderdeich ließ es sich gut laufen. Die Luft war trotz der Frosttemperaturen angenehm zu atmen. Man konnte schon etwas vom Ende des Winters spüren.

Jede Zeit hatte ihren speziellen Geruch in der Luft. Das Nahen des Winters kündigte sich durch einen Hauch von Rauch im Äther an. Sein Verschwinden und der diskrete Duft vermoderter Blätter deuteten die Ankunft des Frühlings an. Der einsame Läufer starrte auf den dunklen Fleck inmitten des Eischaos. Irgendetwas störte den Beobachter an diesem Ding. Es schien sich zu bewegen ...

Oder täuschte nur das Eisflimmern eine Bewegung vor? Endlich schien der dunkle Fleck näher zu kommen. Die Oder hatte hier bei Kienitz viele Sandbänke, die den Fluss beschleunigten. An der Strömungsseite der einen großen Sandbank, kurz vor dem alten Heizkraftwerk, türmten sich die Eisschollen zu bizarren Eisbergen auf. Eingekeilt zwischen zwei großen Bruchschollen blieb das dunkle Etwas hängen. Der Deichläufer erklomm vorsichtig das kleine Gebirge aus Eiskanten und Schneeresten. Je näher er sich heran arbeitete, desto mulmiger wurde ihm. Der ganze Eisberg schien recht instabil zu sein. Vor ihm wuchs das Bündel an. Ein größerer Körper schien es zu sein. Eigentlich wollte er sich schon wieder davonmachen, aber etwas ließ ihn plötzlich erstarren. Winkte da nicht ein Arm aus dem Eis?

Dieser grünlich bläuliche Stecken hatte jedenfalls verblüffende Ähnlichkeit mit einem menschlichen Arm und einer Hand, deren Finger starr in alle Richtungen abstanden. Etwas ungläubig näherte sich der Flussläufer dem Ding. Aus dem mulmigen Gefühl wurde Gewissheit - im Eis vor ihm erblickte er die grünlich grau verfärbte Leiche einer nackten Frau. Das Eis hatte ganze Arbeit geleistet. Der Körper war stark zerschunden. Überall waren große Schnittwunden zu sehen, die, inzwischen blutleer, weit auseinanderklafften. Auch das Gesicht war stark entstellt. Da, wo eigentlich die Augen sein sollten, waren leere Höhlen, von der Nase war nicht mehr viel zu erkennen und auch die Ohren waren nur noch als Ansätze zu erahnen. Verfilztes langes Haar bedeckte den Kopf gnädigerweise so, dass die Wunden nur beim genauen Hinsehen zu entdecken waren. Der ganze Torso hing fast vollständig im Eiswasser zwischen den Eisschollen, die hier an der Sandbank einen kleinen schützenden Freiraum geschaffen hatten. Dem Entdecker des grausigen Fundes wurde spontan übel. Er erbrach sich direkt ins Wasser. Etwas benommen torkelte er zurück ans sichere Ufer. Er hatte den Damm noch nicht wieder erklommen, als er etwas sah, was ihn zutiefst verstörte. Er sah einen Mann die Deichkrone herabrennen Richtung Sandbank. Auch er schien die merkwürdige Frauengestalt im Eis entdeckt zu haben. Aber nicht das irritierte den kleinen Mann. Das Gesicht des ihm entgegenkommenden Mannes war ihm merkwürdig vertraut und gleichzeitig auch vollkommen fremd.

Ein Spuk am helllichten Tage. Vielleicht hing es ja mit der Frau im Eis zusammen. Vielleicht war sie ja gar kein menschliches Wesen, sondern eine Nixe. Ihm fielen all die wunderlichen Geschichten ein, die seine Mutter abends immer vor dem Einschlafen erzählt hatte. Später hatte sie zwar stets gesagt, dass es alles Märchen seien, aber offensichtlich schienen sie doch viel mehr Wirklichkeit zu sein, als er zu glauben wagte. Unschlüssig darüber, was er nun machen sollte, lief er auf und ab. Sprach mit sich selbst, schlug sich mit beiden Fäusten auf die Oberschenkel, um zu spüren, dass das alles kein Traum sei. Die Eisluft begann schon ihr helles Flirren zu verlieren. Ein Hauch Dämmerung zog heran, tauchte die Uferwelt ins matte Blau der Winternacht. In der Ferne erklang das Läuten einer Kirchenglocke. Viermal schlug es an. Nervös blickte der Uferläufer Richtung Kienitz. Zögernd lief er Richtung Dorf davon.