Todesklamm
Thea Lehmann
DDV EDITION
Taschenbuch
Leo Reisingers achter Fall in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz
Bisher in der Reihe „Dresdner Kriminal“ von Thea Lehmann erschienen: „Tod im Kirnitzschtal“, „Dunkeltage im Elbsandstein“, „Mordskunst im Elbtal“, „Tatort Kuhstall“, „Tödliches Schweigen im Sandstein“, „Blut und Blüten“ sowie „Wolfshappen“.

© Thea Lehmann
Thea Lehmann
Thea Lehmann lebt und arbeitet in der Nähe von München, ihre Regionalkrimis spielen allerdings in Sachsen, genauer in der Sächsischen Schweiz und Dresden. Seit sie sich 1998 in einen Sachsen verliebte, ist diese Ecke Deutschlands zu ihrer zweiten Heimat geworden und inspieriert sie zu ihren Krimis. Folgerichtig ist einer der Ermittler ein Bayer, der manchmal seine Probleme mit den Sachsen hat, aber durchaus auch ihre Vorzüge zu schätzen lernt. Inzwischen ist eine ganze Serie um den bayerischen Kommissar in Dresden und seine sächsischen Kollegen entstanden:
2015 "Tod im Kirnitzschtal"
2016 "Dunkeltage im Elbsandstein"
2017 "Mordskunst im Elbtal"
2018 "Tatort Kuhstall"
2019 "Tödliches Schweigen im Sandstein"
2020 "Blut und Blüten"
2020 erreichte ihre Kurzgeschichte "CO2 Update" die Shortlist des Berliner Literaturwettbewerbs Wortrandale.
Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Thea Lehmann
Wo schreibst du am liebsten?
Ganz banal an meinem Schreibtisch. Ich kann mich in Cafés nicht konzentrieren.
Warum bist du im SYNDIKAT?
Wenn man so einen einsamen Job hat und Wochen allein am Schreibtisch verbringt, ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegin nicht nur hilfreich und erfrischend, sondern fast lebensnotwendig.
Dein Lieblingswort?
Bibbus.
Dein Sehnsuchtsort?
Kapstadt.
Dein Lieblingsgetränk?
Gin Tonic.
Wo findest du Ruhe?
Beim Wandern.
Wo Aufregung?
Bei meinen Lesungen.
Leseprobe
Todesklamm
Himmlische Ruhe lag über der sommerlichen Kirnitzschklamm. Die Bachstelzen und Wasseramseln jagten eifrig, die Farne und Sträucher an den steilen Felswänden waren feucht vom Tau und die Luft kühl. Es dauerte noch, bis die Strahlen der Julisonne das Wasser in der tiefen, engen Schlucht zum Glitzern bringen würde. Der Bach wurde hier aufgestaut und bildete einen künstlichen See umschlossen vom Sandstein wie eine lange, schmale Narbe. Die Hummeln verließen schlaftrunken ihre Schlafplätze in den Disteln, die weiter oben in dem engen Tal wuchsen. Eine Bachstelze setzte sich auf das neonrote Funktionsshirt und zupfte ein wenig am nassen Stoff und blonden Nackenhaaren. Sie stellte fest, dass hier nichts zu holen war, und ließ einen Klacks fallen. Ein paar Meter weiter, auf der winzigen Liebesinsel, schnappte sie sich einen fetten Regenwurm zum Frühstück. Das eintönige Zwitschern des Zilpzalps echote in der Klamm wider und wurde zusammen mit dem Gesang der Blaumeisen zum Requiem für den Toten, der mit dem Gesicht nach unten am Ufer der Kirnitzsch im Wasser hing.
Stunden später ruderte Adam Novak die erste Fuhre von Wanderern durch die Klamm.
Adam erzählte von der ältesten europäischen Grenze, die hier mitten durch die Kirnitzsch verläuft, verwies auf die hellgelben Schwefelflechten und die eingemeißelten Grenzsteine der ehemaligen DDR und der BRD. Sein Kahn war mit gut zwanzig Personen voll besetzt – Männer und Frauen im Rentenalter, junge Paare und eine Wandergruppe von mittelalten Damen aus dem Rheinland. Alle hatten ihre Handys gezückt, um in dem wildromantischen Tal Fotos zu schießen.
Als er auf die herzförmige Liebesinsel zufuhr, spulte Adam wie jeden Tag den Text dazu ab: „Hier können sich Liebespaare abends eine schöne Nacht machen, wer da hinmöchte, muss den letzten Kahn nehmen.“ Sein Deutsch klang wie bei fast allen Tschechen, melodisch und gefärbt mit dem rollenden „r“ und dem breiten „a“. Wie eine freundlich wärmende Decke floss seine Geschichte über den aufgestauten Fluss und die morgendlichen Besucher. Der eigens auf der Insel drapierte Büstenhalter brachte die meisten zum Lächeln.
„Na, da hat aber ein eifersüchtiger Ehemann dazwischengefunkt!“, witzelte der Mann ganz vorne am Bug und deutete auf eine etwas weiter vorn halb im Wasser liegende Gestalt.
Das SYNDIKATS-Gewinnspiel
Bitte beantwortet folgende Frage:
Wie heißt der berühmte Wanderweg durch die Sächsische Schweiz?
- Köhlerweg
- Malerweg
- Reitsteig
Als Preis winkt ein Exemplar von Todesklamm mit einem sehr witzigen Lesezeichen in Form eines Hais.
Schickt eure Antworten mit dem Stichwort „Gewinnspiel“ bis zum 31.7.25 per E-Mail.
