Übersicht 2026 Nominierte RomanDer Preis in der Kategorie "Roman" ist mit 5.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.

Der oder die PreisträgerIn 2026 wird am Samstag, den 9. Mai 2026, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verkündet und geehrt.

 

 

 

 

 

 

Nominierte für den Glauser-Preis 2026 in der Kategorie "Roman":

(in alphabetischer Reihenfolge)

Wolfgang Maria Bauer: Kaltblut (C. Bertelsmann)

Vera Buck: Der dunkle Sommer (Rowohlt Polaris)

Zoran Drvenkar: ASA (Suhrkamp) 

Anne Freytag: Blaues Wunder (Kampa)

Cay Rademacher: Nacht der Ruinen (Dumont)



Wolfgang Maria Bauer

Kaltblut (C. Bertelsmann)

Foto © Elias Hassos

Der Roman Kaltblut spielt in einem Bergdorf vor der Kulisse der Alpen. Eine Hütte oberhalb des Dorfes explodiert während einer Feier, scheinbar ausgelöst durch eine vergessene Sprengladung. Elf Männer sterben in dem Inferno. Der Ort sucht einen Schuldigen und vermutet ihn in dem Sprengmeister Stubber. Er fällt auf, weil er anders ist, ein Einzelgänger und Außenseiter, deshalb gut geeignet als Zielscheibe.

„Uns biegt kein Wind“, ist sein Lieblingssatz. Behutsam und in Zeitsprüngen erzählt der Autor Wolfgang Maria Bauer die Geschichte der einzelnen Dorfbewohner, fördert zutage, was lieber verborgen bliebe. Er gibt dem Leser die Möglichkeit, sich den Personen zu nähern, dem Pfarrer, seiner Haushälterin, den Frauen und nicht zuletzt Stubber und seinem Verbleiben in dem Dorf.  Ein mitreißendes Leseerlebnis voller Wucht und Schönheit.


 

   Der dunkle SommerVera Buck Copyright Asja CaspariVera Buck

Der dunkle Sommer (Rowohlt Polaris)

Foto © Asja Caspari

Ein Angebot, dem niemand widerstehen kann. Ein Haus in Italien für nur einen Euro. Was klingt wie ein Hauptgewinn, entwickelt sich für Architektin Tilda und Journalist Enzo zu einem Alptraum, in dem es mehr Geister und Geheimnisse als Antworten zu geben scheint. Ist der alte Silvio wirklich der Einzige, der die Wahrheit kennt? Was hat sich in den alten Mauern des Hauses abgespielt?

Vera Buck entwickelt in Der dunkle Sommer eine atmosphärisch dichte Krimihandlung und hält gekonnt die Spannung. Dass sie in Italien studiert hat, zahlt sich aus. Sie nimmt den Leser mit und beschreibt die Verhältnisse auf Sardinien glaubhaft und bildreich. Düster, dicht und packend erzählt Buck aus wechselnden Perspektiven und erwischt ihre Leser emotional. Keine ihrer Figuren ist „frei von Schuld“, niemand ein Superheld oder durchgehend böse. Es geht um falsche Hoffnungen und falsche Entscheidungen. Das verleiht dem Buch eine sehr menschliche Ebene, die vollkommen begeistert.

 

 

 

 Asa
Zoran Drvenkar copyright Corinna BernburgZoran Drvenkar

ASA (Suhrkamp) 

Foto © Corinna Bernburg

Asa hat eine grausame Prüfung überlebt, wurde von ihrer Familie verraten und kämpft nun als getriebene Rächerin gegen mörderische Familientraditionen.

Dieser Roman ist ein literarisches Experiment, ein moralischer Abgrund. Ein Roman, der uns nicht nur fesselt, sondern zutiefst verstört – und genau das ist seine Größe. Sprachlich fulminant, großartig erzählt, dieses Buch ist ein Erlebnis.

Drvenkar schreibt nicht linear. Er schreibt in Splittern, in Stimmen, in Perspektiven, die sich verschieben und ineinander verkrallen. ASA ist wie ein Prisma: Jeder Blickwinkel zeigt ein anderes Licht – oder vielmehr einen neuen Schatten.

Dieser Roman ist eine Zumutung im besten Sinne. Er tut weh. Drvenkars Sprache ist kompromisslos, direkt, rhythmisch. Seine Sätze sind fast physisch spürbar. Er schreibt, als schneide er mit einem Skalpell. Jedes Kapitel trifft. Jede Figur atmet, blutet, man kann dieses Buch nicht einfach lesen – man muss es aushalten.


 

Blaues Wunder
freytag anne 12493 Foto Studio TascaAnne Freytag

Blaues Wunder (Kampa)

Foto © Studio Tasca

Der Roman Blaues Wunder von Anne Freytag drängt sich nicht auf. Der Sommer auf dem Meer wird leise erzählt.

Drei Paare und ein mysteriöser Sohn auf einer Luxusyacht in philippinischen Gewässern. Was nach traumhaftem Urlaub klingt, entpuppt sich als toxisches Assessment-Center. Durch die Perspektiven der Ehefrauen werden subtile Machtspiele seziert. Aus zunächst nur dekorativen Begleiterinnen entwickeln sich weitblickende Beobachterinnen.

Mit sprachlicher Sensibilität und psychologischer Genauigkeit erzählt dieser Roman von zwischenmenschlichen Dynamiken, die nicht am großen Knall zerbrechen, sondern an feinen Rissen. Er zeigt, dass Spannung auch aus Stille entstehen kann. Und dass Literatur dort am stärksten ist, wo sie uns mit unseren eigenen Gefühlen konfrontiert, ohne sie zu erklären.

Der Roman ist eine schonungslose Analyse ökonomischer Abhängigkeiten und patriarchaler Strukturen und zeigt, wie schwer es ist, sich aus diesen Abhängigkeiten zu befreien.

Ein Leseerlebnis, das lange nachhallt.

 


 

Nacht der Ruinen
RADEMACHER CAY c Johanna Zimmermann F25 C kleinCay Rademacher

Nacht der Ruinen (Dumont)

 Foto © Johanna Zimmermann

Ein spannender und hervorragend recherchierter historischer Kriminalroman aus Köln, kurz vor Kriegsende 1945: Die alliierten Truppen haben die zerstörte Stadt erreicht, der Rhein ist jetzt die neue Front. Mit den amerikanischen Verbänden kommt auch der junge Soldat Joe Salmon in die Domstadt, ein Kölner Jude, der vor dem Krieg nur mit knapper Not aus seiner Heimat fliehen konnte. Er erhält den Auftrag, den Lynchmord an einem amerikanischen Piloten aufzuklären.

Eine dramatische Odyssee durch die fast menschenleere Stadt beginnt. Joe sucht in den noch rauchenden Trümmern aber nicht nur den Mörder oder die Mörderin. Er möchte auch alte Freunde und seine große Liebe wiederfinden. Und ahnt nicht, dass sie ein Schlüssel für die Lösung seines Falls sind.

Mit Nacht der Ruinen ist Cay Rademacher wieder ein brillanter, unglaublich dicht geschriebener Krimi gelungen, der bis zum Ende fesselt und kluge Fragen nach der Bedeutung von Wahrheit und Schuld in Zeiten des Krieges stellt

 

 


Für den Glauser-Preis 2026 konnten bis zum 30. November 2025 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2024 und November 2025 lag (Originalausgaben). 

Jury: Ursula Hahnenberg, Hendrik Berg, Peter Märkert, Bernhard Aichner, Klaudia Blasl, Andreas Russenberger, Thea Krüger und Lena Johannson  (Jury-Organisation)


(Die Aussschreibungen für das Jahr 2027 finden Sie hier.)