Der Preis in der Kategorie "Kurzkrimi" ist mit 1.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.Der oder die PreisträgerIn 2026 wird am Samstag, den 9. Mai 2026, im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verkündet und geehrt.
Nominierte für den GLAUSER-Preis 2026 in der Kategorie "Kurzkrimi":
(in alphabetischer Reihenfolge)
Elsa Dix: Schneekristall. In: Mörderische Weihnacht überall. (HarperCollins)
Sunil Mann: In blinder Wut. In: Blutige Lippe 5. (Ventura)
Elke Pistor: Zu kurz. So lang. Ein Jahr. In: Festlich morden (Emons)
Regula Venske: Schnick Schnack Schnucki – schrecklicher als der Tod. In: Schaurige Orte an der Nordsee. (Gmeiner)
Fenna Williams: Frosty the Snowman. In: Festlich morden. (Emons)

Elsa Dix (Foto © Meike Reiners )
Schneekristall.
In: Mörderische Weihnacht überall. (HarperCollins)
„Ich schließe die Haustür auf, es riecht nach Schimmel, nicht nach Plätzchen und Zimt. Der Ofen ist kalt, neben der Spüle sehe ich die leere Flasche Glühwein.“ Mit diesem Schrecken beginnt das Unheil: Mama ist fort, spurlos verschwunden, an Heiligabend. Das ältere Kind übernimmt die Initiative. Es macht sich auf die Suche und erlebt, wie sich sein Vater und sein jüngerer Bruder immer mehr verschließen, den Halt unter den Füßen verlieren. Fünf Jahre und fünf Weihnachten lang. Die Bürde lastet immer schwerer, die Verantwortung für Bruder und Vater überfordert das Kind. Ein Horror, der kein Ende nimmt. Wird das Kind daran zerbrechen?
Aus der Perspektive dieses älteren Kindes schildert Elsa Dix in eindringlichen Worten eine Familie in Auflösung. Treffende Bilder und Details, metaphorisch grundiert, sprachlich brillant und fesselnd bis zum Ende. Menschen sind so unergründlich wie Schneekristalle, diese Geschichte ist auch so ein Kristall. Einzigartig. Kein Wort zu viel, keins zu wenig. Gänsehaut pur.
In blinder Wut.
In: Blutige Lippe 5. (Ventura)
Ein Mann lebt nach der Flucht aus seiner Heimat in Deutschland. Er und seine Frau sind knapp keine Zaungäste mehr – wirklich angekommen sind sie nicht. Sie haben Arbeit, eine Wohnung und bekommen eine Tochter. Ihr Glück ist „spröde und überschaubar“. Doch eben dieses Glück wird wenige Jahre später durch ein unbegreifliches Verbrechen zerschlagen: Das Mädchen verschwindet spurlos. Was dem Mann bleiben, sind unermesslicher Schmerz und seine obsessive, fast rituelle Suche nach der Wahrheit. Tag für Tag kehrt er seitdem an den Ort des Verbrechens zurück, bis er eine Beobachtung macht, die ihn schließlich zum Handeln zwingt.
In blinder Wut handelt vom Fremdsein, stiller Hoffnung und einem Verlust, der alles verschlingt. Sunil Mann macht den kaum zu ertragenden Schmerz des Protagonisten beim Leser ebenso spürbar, wie die daraus resultierende Wut und Hilflosigkeit. Mit gleichermaßen feinfühliger wie präziser Sprache gelingt dem Autor eine starke Geschichte mit großer emotionaler Wucht.

Elke Pistor (Foto © Maigut Fotografie)
Zu kurz. So lang. Ein Jahr.
In: Festlich morden. (Emons)
„Innen da ist Schmerz. Da ist Zerreißen. Da ist Leere.“ Und diese Leere, dieses Zerreißen stellt Elke Pistor in ihrer Geschichte so eindrücklich und mitreißend dar, dass man die Gefühle als LeserIn nachempfinden kann. So kurz. So lang. Ein Jahr. ist eine Kurzgeschichte, bei der das Ende der Anfang und der Anfang das Ende ist. Kunstvoll zeichnet Elke Pistor ein Jahr im Leben einer Mutter nach, Schicht für Schicht, bis zu jenem Tag, an dem ihr Leben aus den Fugen gerät. Wir erleben ihren Schockzustand, ihre Sprachlosigkeit, ihre Taubheit und den Versuch, zurück ins Leben zu finden, nachdem ihr Kind ermordet wurde, und sehen ihr dabei zu, wie sie all ihre Kraft sammelt, um dieses Verbrechen zu rächen.
Elke Pistor schreibt tiefsinnig, sensibel, aufrüttelnd, oft leise, düster, eindrücklich und einprägend. Die Autorin malt Bilder mit Worten, die schockieren, wütend, traurig, nachdenklich machen und lange nach dem Lesen nachhallen. „Zu kurz. So lang. Ein Jahr“ ist ein Kurzkrimi, den man nicht so schnell vergisst.

Regula Venske (Foto © Isabel Mahns-Techau)
Schnick Schnack Schnucki – schrecklicher als der Tod.
In: Schaurige Orte an der Nordsee. (Gmeiner)
Regula Venske erzählt eine intelligente Krimikurzgeschichte, die genauso gut geplant ist wie das Verbrechen, das begangen wird und die Leserschaft mit einer Botschaft zurücklässt: Vergessenwerden ist schrecklicher als der Tod. Es ist eine Geschichte, die trotz oder gerade wegen ihrer Kürze eine Aussagekraft erhält, die ein Echo erzeugt, dabei aber charmant und mit einem Augenzwinkern zu überzeugen versteht. So wird der Langeooger Dünenfriedhof Ort einer einfühlsamen Erzählung, die auf einfache Schauermomente verzichtet und stattdessen bewegte Historie mit der Gegenwart verbindet und dabei eine Hauptfigur zeichnet, deren Emotionen nachfühlbar beschrieben werden, selbst wenn sie zur Mörderin wird.
Das Verbrechen selbst wird hierbei fast zum Nebendarsteller, ist jedoch in seiner Einfachheit ebenso simpel wie genial. Schnick Schnack Schnucki – schrecklicher als der Tod verspricht Unterhaltung, Cosy Crime und am Ende eine tiefe Nachdenklichkeit, wie es sonst nur bei ganzen Romanen möglich ist.
Fenna Williams
(Foto © Saskia Marloh)
Frosty the Snowman.
In: Festlich morden. (Emons)
„Ich würde alles dafür tun, Lokführer zu werden.“ Und der Protagonist Marty wird Reichsbahner. Mit Haut und Haar. Doch diesen Traumjob gibt es in der ehemaligen DDR nicht umsonst. Aus Marty wird Frosty, the Snowman, ein Stasi-Spitzel, der auch nicht davor zurückschreckt, seine Nachbarn und besten Freunde zu denunzieren. Genau die Freunde, die sich um ihn kümmerten, nachdem sein Vater in den Westen geflohen war, wodurch aus Marty der Sohn eines Verräters wurde. Seine Freunde verhelfen ihm auch, seinen Traum zu erreichen. Nach langer Zeit erfährt Marty, dass er selbst von den Menschen manipuliert und missbraucht wurde, denen er am meisten vertraut hat. Spannend, eindrucksvoll und ergreifend, in schnörkelloser Sprache, zeichnet Fenna Williams das Bild eines Mannes zwischen Scham und Schuld nach. Kunstvoll verwebt die Autorin dafür zwei Erzählstränge miteinander, die nach und nach das ganze Ausmaß der Tragödie enthüllen. Eine Geschichte über Verrat und Freundschaft in einer dunklen Zeit. Ein Krimi mit Tiefgang!
Für den GLAUSER, den Autorenpreis deutscher Kriminalliteratur 2026, konnten bis zum 30. November 2025 deutschsprachige Kurzkrimis von AutorInnen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2024 und November 2025 lag (Originalausgaben).
